Wortwiederholungen; kleine Übeltäter mit großer Wirkung

Wenn man schreibt, tauchen sie so sicher auf, wie das Amen in der Kirche: Wortwiederholungen.


Tatsache ist aber: Die Wortwiederholung stört beim Lesen und liest sich "unprofessionell", wenn offensichtlich ist, dass hier eine Bearbeitung nicht mit dem notwendigen Ernst vorgenommen wurde.


Ist man einmal im Fluss, dann kann einen auch schwerlich etwas aufhalten. Erst in der Überarbeitung stellt Autor dann entsetzt fest, dass anscheinend nur ein begrenzter Wortschatz vorhanden ist, der auch noch ständig verwendet wird. Ist das ein Grund zur Panik?

Nein, aber einer, den Rotstift anzusetzen und äußerst rigoros anzuwenden. Die Parole lautet:

Streichen, kürzen, verwerfen und neu überdenken!


Auch wenn die kleinen Übeltäter recht häufig sehr augenscheinlich sind: Nicht alle werden beim ersten Inaugenscheinnehmen gleich gefunden. Also: Was hilft dabei, die Delinquenten auszumerzen?

1. Laut vorlesen: Drucken Sie sich den Text seitenweise aus, lesen Sie sich laut vor und auch wenn es schwerfällt die eigene Stimme zu hören, hilft das Hören die Haken im Text zu finden.

2. Jetzt wird es rot: Streichen Sie die Doppelungen an, geben Sie aber darauf acht, dass der Sinn in diesem Satz nicht verfälscht wird.

3. Synonyme finden: Versuchen Sie, gleichbedeutende oder sinnverwandte Wörter zu finden. So ein Vorgang setzt ungeahnte Möglichkeiten in Ihrem Überarbeitungsvorgang in Bewegung; denn meist ist eine unbewusste Wortwiederholung ein kleiner Hieb unserer Kreativität, die uns zeigen will, dass sich hier eine Schwachstelle im Text befindet.

4. Beschreiben - Umschreiben: Legen Sie nicht den Finger auf die Wunde, sondern bohren ihn direkt hinein. Zeigen Sie, was Sie eigentlich sagen wollten. Verändern Sie die Wortwahl an sich. Verwenden Sie Pronomen, wenn sich die Wortwiederholung auf etwas im direkten, näheren Satzumfeld verweist.

5. Wortwiederholungen als Stilmittel: Seien Sie also nicht zu streng mit sich und Ihrem Text. Manchmal verstärkt die gewollte Wiederholung eine Aussage und wird vom Leser auch als das verstanden.

Generell sollten Sie beherzt an die Überarbeitung gehen, lassen Sie sich aber nicht von Ihrer eigenen Kritikfähigkeit beeinflussen. Diese tückischen kleinen Biester kommen in den besten Romanhaushalten vor und sind kein Grund, mit sich zu hadern. Gehen Sie mit positiver Einstellung an die Überarbeitung heran.

Viel Vergnügen dabei.

Ihre Klarissa Klein



#frauklein #lektodude #schreibtipps #tutorial #klarissaklein #lektorat #workshop #bearbeitenmitspaßanderfreud #wortwiederholungen