Interesse Wecken – Wie hole ich meine Leser an Bord (1)

Aktualisiert: Juni 8

Boah, wie langweilig, werden Sie sagen. Gibt es da keine besseren Tipps? Weiß doch schließlich jeder, dass der erste Satz sitzen muss.

Nun, es tut mir leid, aber leider müssen wir den Tatsachen ins Auge sehen.

Wenn es sich nicht gerade um ein Sach- oder Schulbuch handelt, was wir gerade dringend benötigen, dann müssen wir uns mit Stilmitteln behelfen, die unsere Leser dazu animieren, über den ersten bis hin zum dritten Satz einer Seite und dann auch noch umzublättern, um weiter zu lesen.

Die Zeitschrift "Der Spiegel" hat 2007 den besten ersten Satz in einem Roman gekürt. Der Gewinner hieß Günter Grass, hat den Nobelpreis für Literatur gewonnen und der Satz lautete:

"Ilsebill salzte nach."

Ob dies nun wirklich der beste Satz eines Romananfangs ist, liegt im Auge des Betrachters. Zumindest weckt er Erinnerungen im Leser. Viele, wenn vielleicht auch nicht jeder, hatte schon einmal das Bedürfnis "nachzusalzen". Sei es aus Gewohnheit, weil der Salzstreuer schon in der Kindheit auf dem Tisch stand und man automatisch danach griff. Sei es, weil man einen hohen Salzbedarf hat und der mit der Aufnahme der normalen Speisen nicht ausreichend ist.

Egal aus welchem Grund: Dass "Ilselbil" nachsalzte ruft in uns etwas hervor. Neugier. Warum tut sie das? Hat sie womöglich gekocht und vergessen zu salzen? Hat jemand anderer die Speisen zubereitet und es total vermurkst?

Wir können diese Frage nicht beantworten und – Funfact – Günter Grass tut dies auch nicht. Er lässt uns Leser im Unklaren darüber.

Womit wir beim nächsten Umstand sind, der uns weiterlesen lässt. Wir wollen die Antwort haben. So banal das Salzen an sich ist, eine alltägliche Handlung eben, hinterlässt dieser Satz bei uns doch den Wunsch zu wissen, warum Ilsebill nachsalzt.

Heutzutage würde man diesen abrupten Schnitt als "Cliffhanger" bezeichnen. Man kennt das aus Serien, die damit arbeiten, dass sie ihren Helden am Ende einer Folge buchstäblich über die Klippe springen lassen, ohne dass der Zuschauer weiß, was mit der Person passiert.


Finden Sie also Ihren ersten Satz. Einfacher gesagt, als getan, werden Sie sagen. Aber ganz das ist es.

Fragen Sie sich, was Sie gerne lesen wollen würden, wenn Sie ein Buch aufschlagen. Wenn Sie IHR Buch aufschlagen.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie fündig werden.

Ihre

Klarissa Klein





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